Realitycheck: Wie echt ist Bad Banks?

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Nicht im «Sterbehaus» wollte Christelle Leblanc enden, diesem Hospiz für abgehalfterte Banker am Stadtrand von Luxembourg. Das schafft die von Désirée Nosbusch grossartig gespielte ältere der beiden bad Bankerinnen aus der Serie «Bad Banks». Statt im Sterbehaus landet sie auf dem Chefsessel des Investmentbankings der Deutsche Global Invest in Frankfurt in fiktiven «Zwillingstürmen». Die «Global», wie sie kurz genannt wird, will investieren, um wieder eine Bankenmacht zu werden. Das ist ihre Vision, und sinnigerweise wirbt sie auch bei ihren Kunden damit: «investing in Visions». Alles Fiktion, aber wieviel reales Vorbild steckt in Bad Banks?

Wer sich im echten Frankfurt bei den Banken und Bankern auskennt, der kennt den «Elefantenfriedhof» direkt hinter den echten Zwillingstürmen der Deutschen Bank in einer Seitenstrasse, Meilen entfernt vom Geschehen. Hier in der Guiolettstrasse 17 haben die alten Chefs ihre Büros. Früher in der guten Zeit hatten auch die Alten wie selbstverständlich ihre Büros in den Zwillingstürmen, nahe am Geschehen. Aber als die Deutsche Bank anfing, mit «passion to perform» zu werben, erlosch die Passion für diejenigen Banker, deren Bank noch Deutsche Bank hiess und nicht im Stakkato der Trader als «Deutsche» abgekürzt wurde. Time is money. Make it short.

Ist die reale Deutsche Bank mithin das Vorbild für die fiktive Deutsche Global Invest in der erstklassigen ZDF-Serie Bad Banks? Nein – natürlich nicht. Das muss man alleine schon aus Gründen des Rechtschutzes für diese Zeilen klar festhalten. Und natürlich musste die Deutsche Bank auch nicht vom deutschen Staat gerettet werden wie die «Global» im Film. Zungenschnalzen lassende Szenen sind das, wenn Leblanc den überforderten Bundesfinanzminister über den Tisch zieht, weil sie weiss, dass man die «Global» nicht pleitegehen lassen kann. Das würde das ganze Finanzsystem erschüttern. Too big to fail nennt man das in der Realität, was hier klasse beschrieben wird.

Seit Joe Ackermann wissen wir, dass er sich geschämt hätte, wenn er Staatsgeld zur Rettung der Deutschen Bank hätte annehmen müssen. Insofern kann die echte «Deutsche» nicht die falsche «Global» sein. Was hier in der Serie gezeigt wird, entspricht eher der staatlichen Rettung der Hypo Real Estate aus München, deren Pleite 2008 den deutschen Bankenmarkt in den Abgrund gerissen hätte. «Wir standen am Abgrund», hat der echte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück über diese Tage gesagt, dem die Szenen sicher nicht gefallen haben dürften und auch als eine der wenigen nicht realitätsnah genug sind. Steinbrück & Co. haben damals den Banken den berühmten Arsch gerettet.

Der echte Joe Ackermann sollte wissen, dass ohne die HRE-Rettung auch die Deutsche Bank nicht alleine klargekommen wäre. Das könnte der Mann ruhig einmal zugeben, der jetzt in und aus der Schweiz an seinem Geschichtsbild arbeitet und fast alle Schuld an der aktuellen Situation der Deutschen Bank weit von sich weist. Was wohl Leute wie Big Joe denken, wenn sie Bad Banks sehen? Das stimmt doch alles gar nicht!? So war es doch gar nicht!? Selbstredend war es nicht so, aber so ähnlich. Die Serie und auch ihre Analogien zur wahren Welt ist sehr gut getroffen. Trading hard, fucking harder, big bullshitting, bigger bonuses, und das alles nur auf Englisch. So war das um 2008.

Apropos Englisch. Klasse, dass die Filmemacher an manchen Stellen Englisch sprechen lassen (mit deutschen Untertiteln), weil es einfach so war. Und dass der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Global Invest eben kein Deutscher ist, der auch kein Deutsch spricht, ist wieder eine Analogie zur Deutschen Bank, wo nach Ackermann Anshu Jain das Ruder bis 2015 übernommen hatte. Ein Schelm, der Böses über die Banker dabei denkt, oder? Wie sie alle auf der Hauptversammlung der «Global» einen kleinen Mann über den Knopf im Ohr haben. Wie Marionetten, die vorgesagt bekommen, was sie zu sagen haben. Auch das ist in der Realität etwas anders, aber so ähnlich durchaus üblich.

An einer Stelle sind die Zwillingstürme der «Global» so in die Skyline von Mainhatten hineinprojiziert, dass sie direkt neben den beiden Türmen der Deutschen Bank stehen. Fake Twin Towers bei Bad Banks. Aber der Newswert der Serie ist alles andere als Fake News. Die Serie sollte man nicht verpassen und in Schulen und an Hochschulen zeigen. Eine zweite Staffel ist bereits geplant. Vielleicht landet Leblanc ja dann doch noch im Sterbehaus. Und Jana Liekam, fantastisch gespielt von Paula Beer, die jüngere der beiden bad Bankerinnen nimmt auf Leblancs Sessel Platz. Und wer noch Platz auf seinem Büchertisch oder auf dem Kindle hat, der lese bad banker – das Buch, fast wie zur Serie gemacht, das man gleich hier bestellen kann.

Markus. A. Will


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